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Plaudern mit dem Chatbot: Wer hört eigentlich mit?

Plaudern mit dem Chatbot: Wer hört eigentlich mit?

Vor kurzem hat sich ein Forschungsteam des spanischen Instituts IMDEA Networks ChatGPT, Claude, Grok und Perplexity vorgenommen und nachgeschaut, was im Hintergrund passiert, wenn wir mit diesen Chatbots schreiben. Die Ergebnisse sind nicht gerade beruhigend.

Wie wurde getestet?

Die Forschenden haben im Browser den Datenverkehr mitgeschnitten und jeden Dienst unter verschiedenen Bedingungen geprüft: als Gast oder eingeloggt, mit angenommenen oder abgelehnten Cookies, im kostenlosen oder bezahlten Tarif, mit und ohne Inkognito-Modus. Überall wurde dieselbe Testfrage gestellt, nämlich die nach den Symptomen von Leberkrebs und den Behandlungsmöglichkeiten. Also bewusst ein sensibles Gesundheitsthema.

vivia: Chatbots - wer hört mit?

Fotomotiv „Vintage Pop #11 – Listen to the Obvious“: J. F. Novotny [Link]

Was kam heraus?

Über 13 Tracker von Drittanbietern fanden sich, und alle vier genannten Dienste waren betroffen. Im Kern geht es um zwei Dinge:

1. Der Link zu deinem Chat wird weitergereicht. Die Adresse eines Gesprächs (und teils sogar der Chat-Titel, also dein Thema) landet bei Werbe- und Analysefirmen wie Meta, Google oder TikTok. Dazu kommen oft Kennungen wie Cookies oder E-Mail-Hashes, mit denen sich Aktivitäten einer Person zuordnen lassen.

2. Manche Chat-Links sind erstaunlich offen. Wer den Link kennt, kann das Gespräch lesen, auch ohne Login.

Die einzelnen Ergebnisse im Überblick:

Grok (xAI) schneidet weitaus am schlechtesten ab. Chats sind standardmäßig öffentlich zugänglich, Gast-Chats immer. Google Analytics bekommt Link und Titel immer, Meta und TikTok nach Cookie-Zustimmung. Bei TikTok landete sogar der Wortlaut von Nachrichten über ein generiertes Vorschaubild. Außerdem blieb ein einmal geteilter Link zugänglich, selbst wenn man die Einstellungen später änderte, bis man ihn pro Chat widerruft.
ChatGPT (OpenAI) schickte Chat-Link und Seitentitel bei kostenlosen, eingeloggten Nutzern immer an Google Analytics, egal wie man bei den Cookies entschieden hat.
Claude (Anthropic) übermittelte nach Cookie-Zustimmung Daten an Meta und Datadog. Außerdem laufen laut Studie elf Dienste serverseitig mit, die du im Browser gar nicht sieht. Intercom bekommt bei eingeloggten Nutzern immer E-Mail-Adresse und Chat-Link, auch bei abgelehnten Cookies.
Perplexity gab E-Mail-Adresse, Chat-Link und Gerätedaten an Datadog und Singular weiter. Den Meta-Pixel hat der Dienst Anfang April 2026 abgeschaltet, vermutlich wegen einer US-Sammelklage. Gast-Chats waren bis dahin komplett öffentlich.

Auch die Cookie-Banner helfen nur begrenzt: Einige Tracker feuern unabhängig davon, was du anklickst! Und Werbeblocker greifen nur teilweise, weil manche Weitergaben direkt von Server zu Server laufen.

Das Wichtigste vorweg: nicht unbedingt Grund zur Panik, aber nicht aus den Augen verlieren

Die Forscher betonen selbst, dass sie keinen Beweis haben, dass die Tracker Gespräche wirklich lesen. Es geht um das Risiko, nicht um bewiesenen Missbrauch. Die Ergebnisse sind außerdem „vorläufig“ und eine Momentaufnahme von Frühjahr 2026. Wie die Anbieter reagiert haben, ist noch offen. Von xAI kam laut Studie bisher keine Antwort.

Vorläufiges Fazit

Chatbots fühlen sich wie ein vertrauter Gesprächspartner an, und genau deshalb erzählen wir ihnen viel mehr, als wir einer Suchmaschine anvertrauen würden. Die Studie zeigt: Das Geschäftsmodell der Werbe-Welt ist längst auch hier angekommen, und die Datenschutzerklärungen sagen darüber oft nur vage etwas.

Empfehlung für die Praxis

  • Sparsam mit Sensiblem: Keine Passwörter, Gesundheitsdetails, Firmengeheimnisse oder Namen Dritter in den Chat.
  • Cookies ablehnen, wo es geht. Das hilft zwar nicht gegen alles, aber gegen vieles.
  • Chats nicht teilen, wenn es nicht sein muss. Und wenn doch: Freigaben prüfen und alte Links widerrufen (bei Grok pro Chat).
  • Datenschutz-Einstellungen der Dienste durchgehen und Chat-Verlauf bzw. Training deaktivieren, wo möglich.
  • Bei Perplexity den Sichtbarkeitsmodus auf „Privat“ stellen, bei Grok den Zugriff beschränken.
  • Im Job: Die Firmenregeln beachten, am besten über Business-Tarife mit klaren Datenschutzvereinbarungen arbeiten.
  • Kritisch bleiben: Nicht jeder Datenfluss steht in der Datenschutzerklärung. Wer etwas wirklich Heikles klären will, fragt besser eine Fachperson.

 

Quelle: LeakyLM – Research Disclosure (IMDEA Networks)